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Zahnimplantate

VMK-Krone auf Implantat
VMK-Krone auf Implantat mit Modellier-Abutment

Es klingt ganz simpel und verspricht traumhafte Resultate: Ein verloren gegangener Zahn wird einfach komplett durch einen künstlichen Zahn ersetzt. Ähnlich wie bei künstlichen Hüft- oder Kniegelenken können biokompatible Materialien auch im Mund die Aufgaben von zerstörten Strukturen übernehmen. Anstelle der ursprünglichen Zahnwurzel wird eine Titanhülse oder -schraube in den Kieferknochen implantiert und gibt einer künstlichen Krone den notwendigen Halt. Tatsächlich ist der Ersatz von gezogenen Zahnwurzeln durch Implantate eine zunehmend beliebtere Alternative zu BrückenTeil- und Vollprothesen. Während 1997 sich unter den Senioren nur etwa 0,7 Prozent für ein Zahnimplantat entschieden hatten, waren es 2005 bereits 2,6 Prozent. Die Vorteile von Implantaten scheinen sich herumzusprechen und auch die hohen Kosten von 1.700 bis 4.000 Euro pro versorgtem Zahn schrecken immer weniger Patienten ab.

Vorteil Zahnimplantat gegenüber Brücke

Da Implantate fest im Kieferknochen „verwurzelt" sind, geben sie dem Träger auch ein äußerst natürliches Gefühl. Schnell kann der Patient vergessen, dass er nur einen Kunstzahn im Mund hat. Er braucht sich nicht um einen unstabilen Sitz des Ersatzes zu sorgen und auch das ästhetische Ergebnis wird hohen Ansprüchen gerecht. Im Gegensatz zu einer Lückenversorgung mit einer Brücke brauchen Nachbarzähne nicht beschliffen und zusätzlich belastet werden.

Zudem verhindern Implantate den Verfall des Kieferknochens: Ohne die regelmäßige Belastung des Knochens durch einen Zahn oder ein Implantat bildet sich der Knochen zurück. Damit geht zwangsläufig bei mehreren fehlenden Zähnen eine Veränderung der Gesichtszüge einher, die im schlimmsten Fall zum so genannten Greisengesicht führt.

Implantologie ist ein junges Fachgebiet der Zahnmedizin

Die Vorzüge von Implantationen liegen also ganz klar auf der Hand. Und doch hat die moderne Zahnmedizin lange Zeit gebraucht, diese Behandlungsoption flächendeckend anzubieten und in klinischen Untersuchungen ausgiebig zu beleuchten. Zwar gibt es bereits Hinweise von Implantaten aus Muschelkalk im Frontzahnbereich bei den südamerikanischen Maya-Völkern um etwa 600 n.Chr. - in Deutschland wissenschaftlich anerkannt wurden Zahnimplantate aber erst 1982.

Seitdem haben sich mehrere Fachgesellschaften gebildet, die die Fortbildung von Zahnärzten organisieren und für hohe Standards sorgen. Dennoch mangelt es weiterhin an großen unabhängigen Langzeitstudien, die wissenschaftlich saubere Vergleiche mit anderen Zahnersatzformen zulassen. Somit sind bislang häufig die Erfahrungen implantierender Zahnärzte die wichtigste Informationsquelle zur Bewertung verschiedener Systeme. Die Zahl der verfügbaren Modelle ist beachtlich: Momentan sind mehr als 1.300 Implantattypen auf dem Markt, die in Form, Größe, Länge, Material und Beschichtung variieren.

Was vor allem den Trend zu mehr Implantationen vorangetrieben haben dürfte, ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Der Austausch über Tragekomfort und den nur vermeintlich aufwändigen chirurgischen Eingriff hat sicher viele Patienten motiviert und ihnen die Ängste genommen. Denn auch wenn viele Operationsvideos etwas anderes vermuten lassen, ist der Eingriff in der Regel schmerzfrei und verläuft ohne Komplikationen. Je nach Patient dauert er ca. 30 Minuten bis 3 Stunden und findet unter örtlicher Betäubung oder bei einem leichten, durch Narkosemittel eingeleiteten Dämmerschlaf, statt.

Zahnimplantat - für jedermann das Richtige?

Implantate können beim Verlust von Zähnen in jeder Gebisssituation für einen adäquaten Ersatz sorgen: Sei es nur ein einzelner ausgeschlagener Zahn im Frontzahnbereich, mehrere Backenzähne oder sogar ein komplett zahnloser Kiefer, der eine Verankerung für eine Deckprothese braucht. Das Alter des Patienten spielt dabei keine Rolle, vorausgesetzt sein Knochenwachstum ist abgeschlossen (Das ist in der Regel bei 18-Jährigen der Fall).

Verschiedene Erkrankungen, die sich im höheren Alter häufen, können eine Implantation komplizierter machen, schließen sie aber nicht grundsätzlich aus. So erfordert eine Osteoporose, die eine verminderte Knochendichte zur Folge hat, meist eine zusätzliche Verdichtung des Knochens und eine spezielle Implantatform. Bei Diabetikern wiederum kann der Heilungserfolg gefährdet werden, wenn schlecht eingestellte Zuckerwerte den Knochenstoffwechsel stören. Sie sollten also sehr genau ihren Blutzuckerwert im Auge behalten, den Mundraum möglichst „keimfrei" halten und zusätzlich mit Antibiotika den reibungslosen Einheilungsprozess eines Implantats unterstützen.

Nur dicke Knochen geben ausreichend Halt

Auch Patienten ohne chronische Krankheiten können aufwändigere vorbereitende Maßnahmen vor einer Zahnimplantation benötigen: Liegt der Zahnverlust schon eine Weile zurück, hat sich meist der Kieferknochen zurückgebildet. Ein Implantat würde im verbleibenden Gewebe nicht genügend Halt finden, so dass der Zahnarzt einen entsprechenden Knochenaufbau vornehmen muss (Augmentation).

Verschiedene Techniken und Materialien kommen dabei zum Einsatz. Als Aufbaumaterialien können körpereigene oder tierische Knochenpartikel dienen, aber auch künstliche Späne bringen das Knochenwachstum in Gang und liefern so feste Strukturen zur Verankerung des Implantats. Der Knochenaufbau bewirkt sowohl einen höheren zeitlichen als auch finanziellen Aufwand: Dieser kann häufig durch eine schnelle Entscheidung für eine Implantation nach Zahnverlust vermieden werden.

SCHON GEWUSST?

Bei den Senioren zeigten sich Frauen gegenüber Implantaten aufgeschlossener. Während 2005 nur rund 1,4 Prozent der Männer diesen Zahnersatz wählten, waren es mit 3,6 Prozent mehr als doppelt so viele bei den Damen.

Laut DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden mehr als eine Million Implantate pro Jahr in Deutschland gesetzt, jeder 20. neue Zahnersatz ist ein Implantat. Welche Erfolgsaussichten die Behandlung den Patienten verspricht, ist leider noch unklar. Kleinere Studien haben eine Überlebensrate von Titanimplantaten innerhalb von zehn Jahren bei 95 Prozent ermittelt. Eine lebenslange Haltbarkeit soll durchaus möglich sein. Eine größere Studie der Universität Tübingen hingegen kam bei einer Untersuchung über acht Jahre nur auf eine Überlebensquote von 85 Prozent.

In weiten Teilen scheint die Implantologie noch ein großes Experimentierfeld zu sein: Implantatmaterialien und -oberflächen werden stetig geändert, die Form erinnert mal an eine Holzschraube und dann wieder an eine Patronenhülse. Viele Innovationen erscheinen auf dem Markt und sorgen für jede Menge Verwirrung. Es ist also Vorsicht angesagt, wenn jemand mit fragwürdigen Heilsversprechen seine Methode als die bessere anpreist, eine langjährige Erfahrung aber noch fehlt.

Aktuell wird meist Titan mit guten Resultaten als Implantatmaterial eingesetzt. Nach dem operativen Einbringen der künstlichen Zahnwurzel gibt man dem Körper zwei bis drei Monate Ruhezeit, in der das Implantat fest mit dem Knochen verwächst (Osseointegration). Dies garantiert einen feingeweblichen Einbau des Metallstifts in den Kiefer und somit später eine hohe Stabilität des Zahnersatzes. Erst nach dieser Zeit wird der weitere Aufbau und die künstliche Zahnkrone auf das Implantat geschraubt.
 
Da der Wunsch der Patienten nach schnellen Behandlungsergebnissen aber groß ist, bieten manche Zahnärzte auch Sofortlösungen an. Nach dem Setzen des Implantats sollen ihre Träger den Kunstzahn auch sofort belasten können. Experten sehen solche Versprechen kritisch. Denn auch Sofortimplantate brauchen für die Einheilung mehrere Wochen. Das Risiko für einen Verlust des Implantats dürfte also weitaus höher sein als beim etablierten Verfahren.

WORAUF SIE ACHTEN SOLLTEN:

Mit einer guten Ausbildung und einer hohen Routine Ihres Zahnarztes steigen Ihre Chancen auf ein zufriedenstellendes Resultat. Achten Sie darauf, dass Ihr Behandler von einer anerkannten Fachgesellschaft (DGI, DGZI, DGOI, DGKMG) zertifiziert wurde. Darüber hinaus sollte er mindestens 200-300 Implantationen im Jahr vornehmen. 


Viele Zahnärzte werben mit 3-D-Navigationssystemen und versprechen eine damit verbundene höhere Sicherheit. Bedenken Sie dabei aber, dass erfahrene Operateure auch ohne diese Hilfestellung gute Arbeit verrichten und diese Geräte eine höhere Strahlenbelastung verursachen!

Das Schicksal, das einem natürlichen Zahn bei einer Parodontitis widerfährt, kann auch ein Implantat treffen. Bakterien siedeln sich im Bereich zwischen Zahnfleisch und Implantat an, vermehren sich und lösen eine sich stetig verschlimmernde Entzündungsreaktion aus. Dies kann letztendlich zum Verlust des Implantats führen. Eine Minimierung von Keimen ist demnach das A und O zum Erhalt des Zahnersatzes. Ein Vertreter der DGI erklärt dazu: „Besonders wichtig ist eine gute Mundhygiene, eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung sowie der Verzicht auf Zigaretten."

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